Stand: 20. August 2026
Das Godesberger Programm 1959: Die SPD-Grundsatzentscheidung in der Stadthalle
Das Godesberger Programm ist das Grundsatzprogramm, das die SPD am 15. November 1959 auf einem außerordentlichen Parteitag in der Stadthalle Bad Godesberg beschloss. Mehr als 300 Delegierte stimmten dort über ein neues politisches und gesellschaftliches Selbstverständnis der Partei ab.
Godesberger Programm 1959: der historische Kontext der SPD
Zehn Jahre nach Gründung der Bundesrepublik regierte weiterhin die CDU unter Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die SPD suchte einen Weg, mehrheitsfähig zu werden – ein Motiv, das die Debatten im Vorfeld des Parteitags maßgeblich prägte.
Dem Parteitag gingen jahrelange innerparteiliche Debatten über Programmentwürfe voraus. Der Beschluss vom 15. November 1959 fiel mit breiter Mehrheit der mehr als 300 Delegierten – ein Ergebnis, das den vorangegangenen Diskussionsprozess sichtbar abschloss, ohne ihn zu verschweigen.
Die zentralen Inhalte des Programms
Mit dem Godesberger Programm löste sich die SPD von der marxistisch geprägten Vorstellung einer Partei der Arbeiterklasse, die eine sozialistische Wirtschaftsordnung anstrebt. Stattdessen bekannte sich die Partei zur Sozialen Marktwirtschaft und zum Privateigentum an Produktionsmitteln.
Das Programm suchte zudem die Zusammenarbeit mit den Kirchen und bejahte die Bundeswehr sowie die westliche Landesverteidigung im Rahmen der NATO – Positionen, die vor 1959 innerhalb der Partei umstritten gewesen waren.
Von der Klassenpartei zur Volkspartei
Historisch wird der Beschluss von 1959 als der Schritt beschrieben, mit dem die SPD von einer Klassenpartei der Arbeiterschaft zu einer linken Volkspartei wurde, die sich für alle Bevölkerungsschichten öffnete. Diese Öffnung gilt als Voraussetzung für spätere Regierungsbeteiligungen der Partei.
Das Programm blieb bis 1989 die programmatische Grundlage der SPD. Bereits 1979, zwanzig Jahre nach dem Beschluss, würdigte die Bundeszentrale für politische Bildung in einer eigenen Publikation die Reichweite der Godesberger Beschlüsse für die Partei- und Zeitgeschichte der Bundesrepublik.
Historische Darstellungen, etwa der SPD-eigenen Zeitschrift „vorwärts“, beschreiben den Beschluss als das „Fundament“, auf dem spätere Regierungsbeteiligungen der Partei aufbauten – zunächst 1966 in der Großen Koalition, dann 1969 mit der Kanzlerschaft Willy Brandts. Diese Einordnung stammt aus rückblickender historischer Kommentierung, nicht aus dem Programmtext selbst.
Der Tagungsort: eine erst vier Jahre alte Stadthalle
Als die Delegierten im November 1959 zur Abstimmung zusammenkamen, war die Stadthalle selbst noch ein junger Bau – gerade vier Jahre zuvor eröffnet. Der große, lichte Saal des Stahlskelettbaus bot Platz für die Parteitagsdelegierten und die begleitende Presse in einer für damalige Verhältnisse modernen Kongressumgebung.
Dass ausgerechnet dieser neue, unideologisch gestaltete Zweckbau zum Schauplatz der programmatischen Neuausrichtung wurde, wird in der historischen Betrachtung gelegentlich als passender Rahmen für den inhaltlichen Bruch mit älteren Parteitraditionen genannt.
Das Godesberger Programm der SPD gilt bis heute als Referenzpunkt für programmatische Neuausrichtungen in der deutschen Parteiengeschichte. Die Geschichte des Godesberger Programms wird deshalb bis heute in der politischen Bildung und in Jubiläumsbeiträgen immer wieder aufgegriffen.
Warum der Name „Godesberger Programm“ bis heute gebräuchlich ist
Benannt ist das Programm nach dem damals noch eigenständigen Bad Godesberg, nicht nach der Stadthalle selbst. Der Name setzte sich in Presse und Forschung durch, weil der Tagungsort zugleich als knappe, unverwechselbare Kurzbezeichnung für den gesamten Parteitagsbeschluss diente.
Diese Benennungspraxis erklärt auch, warum die Stadthalle in politikhistorischen Texten häufig nur beiläufig erwähnt wird, obwohl der Beschluss selbst zu den meistzitierten Ereignissen der deutschen Nachkriegsgeschichte zählt – ein Kontrast, den diese Seite mit dem Verweis auf die Gedenktafel vor Ort ausgleichen soll.
Das Programm ist ausführlich dokumentiert bei der Bayerischen Staatsbibliothek (1000dokumente.de), im Haus der Geschichte (LeMO), bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei der Bundeszentrale für politische Bildung – die Primärquellen dieser Seite.
Die Geschichte des Godesberger Programms: die Gedenktafel an der Stadthalle
An der Stadthalle Bad Godesberg erinnert eine Gedenktafel an den Parteitag von 1959. Sie steht neben dem Eingangsbereich und markiert damit sichtbar den Ort, an dem eine der folgenreichsten innerparteilichen Entscheidungen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte fiel.
2019 nahm das Bonner Haus der Demokratie die Stadthalle in den „Weg der Demokratie“ auf – auch mit Verweis auf das Godesberger Programm der SPD. Zur weiteren Einordnung der Stadthalle als Veranstaltungsort politischer Ereignisse siehe die Seite zur Geschichte der Stadthalle.
Die Geschichte des Godesberger Programms bleibt damit eng mit dem Gebäude selbst verknüpft: Ohne die Gedenktafel an der Stadthalle wäre der konkrete Tagungsort für viele Besucherinnen und Besucher heute kaum noch erkennbar.
Häufige Fragen
Wann wurde das Godesberger Programm beschlossen?
Der außerordentliche Parteitag der SPD verabschiedete das Godesberger Programm am 15. November 1959 in der Stadthalle Bad Godesberg.
Was änderte sich mit dem Godesberger Programm der SPD?
Die SPD löste sich vom marxistischen Klassenkampf-Verständnis, bekannte sich zur Sozialen Marktwirtschaft und zum Privateigentum an Produktionsmitteln und öffnete sich als Volkspartei für breitere Bevölkerungsschichten.
Gibt es einen Hinweis auf das Godesberger Programm an der Stadthalle?
Ja, an der Stadthalle Bad Godesberg erinnert eine Gedenktafel an den Parteitag von 1959, auf dem das Programm verabschiedet wurde.